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ANGST IM NACKEN – TERROR IN TEL AVIV

Ich muss heute eine persönliche Post schreiben. Eigentlich geht es ja in meinem Blog um die schönen Seiten Tel Avivs. Aber der Ausnahmezustand nach der Terrorattacke letzten Freitag gehört leider auch zu unserem Leben.

Ich habe schon zu Zeiten der ersten Intifada in Tel Aviv gelebt. Zeiten, in denen man Angst hatte zum Geldautomaten oder in den Supermarkt zu gehen, im Café zu sitzen oder mit dem Bus zu fahren. Palästinensische Selbstmordattacken waren Teil unseres Alltags. Damals arbeitete ich für die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) und war nah dran am Puls der Attentate.

Die letzte Woche hat sich angefühlt wie damals. Freitag Nachmittag, die schönste Zeit der Woche, wo man sich mit Freunden trifft, bevor die Strassen sich leeren und die Familien am Esstisch zusammen rücken. Und wieder mitten auf der Dizengoffstrasse, im Herzen der Stadt.

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Simta-Bar nach dem Attentat

 

Gewehr im Rucksack

Normalerweise zieht mein ältester Sohn Ben am Freitag mit seinen Freunden nach der Schule um die Häuser, auch durch die Dizengoff. Aber letzten Freitag war es kalt, hat geregnet; seine Freunde kamen zu uns nach Hause. Normalerweise kaufe ich Freitags im Anis-Reformhaus auf der Dizengoff fürs Wochenende ein. Genau dort, wo der Attentäter sein Gewehr aus dem Rucksack packte, um dann auf die Strasse zu gehen und wahllos auf die jungen Menschen in der angrenzenden Simta-Bar zu schiessen.

Nach dem ersten Schock und der Trauer um die Opfer, kam die Angst. Denn der Attentäter hat es geschafft unterzutauchen. Immer noch. Wir wohnen nicht weit von Ramat Aviv, dem Viertel, in dem Polizei, Soldaten, Geheimdienstler und Spürhunde von Tür zu Tür nach dem Attentäter fahndeten. Vier Tage lang waren die Bewohner der nördlichen Viertel von Tel Aviv wie gelähmt. Hatten Angst vor die Tür zu gehen. In die Klassen meiner Kinder kamen im Schnitt fünf Kinder zum Unterricht. Der Weg in die Schule war zu gefährlich. Nachts kreisten die Hubschrauber über die Dächer. Und unser Garten wirkte auf einmal unheimlich, im Echo der Sirenen.

Trauer, Wut und Angst

Vor zwei Tagen kam dann die Entwarnung, die Polizei geht davon aus, dass sich der Mörder aus Tel Aviv abgesetzt hat. Seither geh ich wieder spät abends mit dem Hund spazieren, die Kinder in die Schule und der Garten wirkt nicht mehr unheimlich. Doch trotzdem hat sich etwas verändert. Ein Stück Angst hängt noch im Nacken. Die Tel Aviver haben ihr normales Leben wieder aufgenommen. Doch etwas bleibt immer zurück, bei uns allen: Trauer, Wut und manchmal eben auch Angst. Das ist ein normaler Prozess, der nichts Grundlegendes an meiner Einschätzung zur Sicherheit in Tel Aviv ändert.

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