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Naomi's Insights

Warum es sicher ist, nach Tel Aviv zu fliegen

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pic: Nir Elias

Ich bekomme jede Woche Anfragen von Lesern, ob es gefährlich sei, nach  Tel Aviv zu fliegen. Und immer gebe ich dieselbe Antwort: Nein.

Lästige Sicherheitskontrollen?

Ich fühle mich nirgends so sicher wie in Tel Aviv. Klar werden Flüge strenger kontrolliert. Und das ist gut so. Vor den Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen, haben die meisten Israel-Erstflieger Angst. Ich sage euch, es ist alles halb so wild. Den (manchmal bohrenden) Fragen der Beamten, dem Durchforsten deiner Tasche, solltest du gelassen entgegnen, denn all dies gilt deiner eigenen Sicherheit. Bleibe locker, antworte höflich, auch, wenn es länger dauert. Ich gestehe: genau deswegen, fliege ich am liebsten ElAl. Auch wenn das Essen nicht der Renner ist, die crew oft patzig, aber ich fühle mich gut aufgehoben über den Wolken.

Unbeschwert und sicher durch Tel Aviv

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Israel steht oft in den Schlagzeiten, obwohl uns derzeit Donald Trump die Show stiehlt. Und wenn über Israel berichtet wird, dann meist im Zusammenhang mit Unruhen, Attentaten, dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Tel Aviv wird nicht umsonst als „Bua“ (Blase) bezeichnet. Wir kapseln uns gerne ab von der Nachrichtenflut, leben unseren Alltag als gebe es keinen Nahost-Konflikt. Apolitisch, entrückt, hedonistisch, ignorant. Stimmt alles.

Die Metropole am Mittelmeer ist anders, als der Rest von Israel. Ganz gewiss anders, als das immer orthodoxer werdende Jerusalem. So wie New York oder Los Angeles nicht Amerika sind und Berlin nicht Deutschland. Wir verdrängen gerne Politik und Alltagssorgen. Ich fahre alle Schaltjahre, wenn überhaupt nach Jerusalem. Die Stadt ist zwar wunderschön, aber zu viel religiöser Eifer schlägt mir aufs Gemüt. Deswegen sehne ich mich spätestens nach drei Stunden zurück in meine Bua, mein Leben in der Seifenblase.

Leben in der Seifenblase

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Die Gefahrenzonen haben sich in den letzten Jahren mit der Ausbreitung des islamistischen Terrors in Europa verschoben. Früher galt Israel als gefährlich, heute sind es die Fussgängerzonen der europäischen Metropolen. Auch als Frau fühle ich mich hier sicher. Tel Aviv ist belebt, Minimärkte haben 24 Stunden lang geöffnet, auch nachts sind Menschen auf den Strassen.  Das Gefühl, in der Dunkelheit nach Hause zu laufen, mich umzudrehen, ob jemand hinter mir ist, habe ich hier nie. In meiner hometown Frankfurt sind die Strassen nachts wie leergefegt. Mir wurde da oft mulmig zwischen den Glastürmen der verwaisten Banken.

Soldaten, Wachmänner und Reservisten

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pic: Nir Kafri

Tel Aviv ist sicher. Männer und Frauen dienen obligatorisch in der Armee. Gleich nach dem Schulabschluss müssen alle Israelis zum Wehrdienst, Männer drei, Frauen zwei Jahre lang. Bis zum 45ten Lebensjahr leisten Männer maximal 36 Tage im Jahr Reservedienst. In Ausnahmesituationen reagieren Zivilisten schnell. Mich stört es nicht, wenn vor Einkaufszentren, Behörden oder Hotels Wachmänner in meinen Rucksack schauen. Da Israelis leider viel schmerzliche Erfahrung mit Terror und Attentaten haben, sind Polizei und Armee Profis in Terror-Prävention.

Unbeschwert Leben: Carpe Diem

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Ich meide keine Orte, weil ich fürchte, da könnte etwas passieren. Ich bewege mich frei durch die Stadt, gehe auf den Wochenmarkt und sitze in überfüllten Cafés. Nein, Angst vor Attentaten habe ich nicht. Da bin ich zu fatalistisch. Einen Tag vor dem grauenhaften Terroranschlag im Bataclan-Club in Paris, war ich mit meiner Tochter genau in der Strasse, in der ISIS-Terroristen am Tag darauf ihr Massaker an Zivilisten verübten. Ich fühle mich auf der Champs-Élysées viel unsicherer als auf Tel Avivs Dizengoff Street. Von daher kann ich euch beruhigen.  Wenn ihr einmal hier seid, werdet ihr sehen, dass Schlagzeilen und Gerüchte immer anders aussehen als die Realität. Ich verlasse mich gerne auf eigene Erfahrungen. Das solltet ihr auch.

featured picture: Ariel Shalit

 

 

4 Kommentare

  1. Hallo, war im Dezember das erste Mal in TelAviv (auch kurz in Jerusalem) – mir hat es sehr gefallen, ich hab den Spirit genossen und will mir an der Lebenseinstellung ein Beispiel nehmen.. und ich hab mich total sicher gefühlt!

  2. Hallo Claudia,

    freut mich, das bestätigt ja meine Theorie:)
    lg
    Naomi

  3. Hallo, ich lebe seit einem Jahr in Israel und seit sieben Monaten in Tel Aviv. Ich kann jedes einzelne Wort nur unterstreichen.

  4. freut mich, danke für deinen Kommentar!

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