TEL AVIV NOTES  Insider Reiseblog für Tel Aviv
Naomi's Insights

Ein Versprechen über den Wolken und bekiffte Tattoo Künstler

tel-aviv-sykline

Wie schön, wenn du Freunde hast, die immer ehrlich sind und gerade heraus sagen, was sie denken. Genau diese Charaktereigenschaft meiner Berliner Freundin Madhavi hat mir wohl lebenslangen Kummer erspart. Aber nun von vorne.

Versprechen über den Wolken von Los Angeles

venice-beach-tel-aviv

Donnerstag Abend dachte ich mir, es wird jetzt wirklich Zeit, für mein Tattoo, das ich mir seit Los Angeles versprochen hatte. Jahrelang hatte ich ellenlange Flüge gemieden, weil ich dachte, diese nicht zu überleben. Seit dem Transatlantikflug nach Kalifornien hat sich mein persönliches Koordinatensystem verändert. Der elf Stunden Flug an der Seite meiner Tochter Lou war ein Klacks. Ich hatte mich eingedeckt mit Büchern, Podcasts, Playlisten, virtuellen Denkspielen, ja sogar Kreuzworträtseln. Über den Wolken fasste ich den Entschluss, mir in LA ein Tattoo mit dem Schriftzug brave für mutig auf meinen Arm stechen zu lassen. Als tägliches Mantra vor den Augen, das nichts unmöglich ist und ich mein Leben selbstbestimmt präge. Für einen Termin in einem guten Tattoo Studio sind die Wartezeiten in LA extrem lang, ausserdem hätte ich Meer und Sonne meiden müssen.

Mit Madhavi durch die Tattoo Studios von Tel Aviv

madhavi-tel-aviv

Ich habe gerade Besuch von meiner Freundin Madhavi, die wunderbare Autorin des Yoga- und Meditationsblogs Kaerlighed. Mit ihr als Rückenstärkung kontaktierte ich spontan über Instagram vier Tattoo-Studios in Tel Aviv mit der Bitte um einen schnellen Termin. Nur das Ink Donkey antwortete, das mir für meinen Blogpost über die TLV’er Tattoo Szene mehrmals empfohlen wurde. Auf unseren E-Bikes düsten wir am nächsten Morgen zur Frenkel Street in Florentine.

Bekiffte Hipster vor dem Tattoo Studio

ink-donkey-tel-aviv

Vor dem Studio hocken bärtige Hipster bekifft auf einer Parkbank. Der Laden muffelte unangenehm nach alten Keksen und wurde dieses Jahr wohl noch nicht gelüftet. Der Besitzer zeigte mir Schriftarten am Computer, hinter ihm tat sich ein Fleischberg an Mensch auf, der sich als mein Tättowierer entpuppte. Ich war wohl so perplex, dass ich versteinerte und gar nicht reagierte. Madhavi war Gott sei Dank noch Frau ihrer Sinne: sie schnappte meinen Rucksack, samt Handy und Bike-Batterie und warf mir nur einen Satz zu: wir müssen hier sofort raus. Ohne zu überlegen, nuschelte ich dem Besitzer zu, ich müsste nochmal schnell ans Auto. Wir ergriffen im Stechschritt die Flucht.

Welkes Minzblatt im Gartentee am Kiosk

kiosk-frenkel-tel-aviv

In der Frenkel Street reihen sich mehrere Tattoo Studios aneinander. Das Ink me Baby hatte uns schon auf dem Hinweg gefallen. Ich fragte, ob es wohl noch einen freien Termin gebe, für mein kleines „brave“ Tattoo. Wir sollten in einer halben Stunde wieder kommen, die wir an einem Espresso Kiosk auf der anderen Strassenseite verbrachten. Ich an einer Sodaflasche, Madhavi mit einem Tee mit frischen Kräutern aus dem Garten. Haha. Die erwiesen sich als ein welkes Minzblatt und zwei hölzerne Halme, die in ihrem früheren Leben wohl Lemongrass hiessen. Von Tee und Soda gestärkt machen wir uns auf zum Termin.

Atemübungen auf der Tattoo Pritsche

sky-tel-aviv

Eddy, mein Tattoo Künstler ist jung, trägt eine Mala um den Hals und spricht mit klarer Stimme. Gemeinsam entscheiden wir uns für eine kalligraphische Schrift. Eddy bereitet alle Utensilien vor und dann wird es ernst. Ich lege mich auf die Pritsche, strecke meinen Arm aus wie bei einer Blutabnahme und gebe mich in die ruhigen Hände von Eddy. Ich denke nur, was für ein Glück, dass ich nicht zehn Meter weiter bei dem zugedröhnten Hipster unter der Nadel liege. Die Prozedur ist schnell, aber nicht ganz schmerzfrei. Ich beisse die Zähne zusammen und mache die Atemübungen meiner Morgenmeditation. Dann höre ich Eddy’s Stimme wie durch eine Wolke, der flüstert, ich könne aufstehen. Zu ruckartig wie sich erweist, denn mir wird schwindlig.

Mein Tattoo als gefühlte Ewigkeit am Arm

Draussen sitzt Madhavi auf der Couch und träumt seit Stunden geduldig von unserem Lunch in der plant based eatery Bana. Puff, Traum geplatzt: das Bana macht erst abends auf. Ich stehe wackelig auf den Füssen, wir lassen die Räder stehen, bestellen ein Taxi, halten kurz bei uns im Urban Shaman, um Verpflegung einzupacken, die wir schamlos im Taxi verfuttern. Endlich zuhause, kippe ich auf die Couch, die Augen auf mein Tattoo gesenkt, das sich anfühlt, als wäre es schon immer da gewesen.

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Naomi,
    mit grosser Freude folge ich Deinem Blog. Gefühlt kenne ich Tel Aviv wie meine Westentasche- im wahren Leben war ich noch nie da. Ich freue mich schon sehr darauf, bald einmal nicht nur in Gedanken dort hin zu reisen.
    Bitte höre nicht auf zu schreiben 🙂
    Viele Grüsse aus dem Taunus
    Carla

  2. Liebe Carla (schöner Name),

    danke für deine lieben Worte! Na, dann wird es Zeit mal den Sprung vom Taunus über das Mittelmeer zu wagen:9
    und nein, ich höre bestimmt nicht auf zu schreiben:)
    lg Naomi

  3. Toller Blog liebe Naomi! Seitdem ich dieses Jahr das erste Mal in Tel Aviv war, freue ich mich über jeden neuen Beitrag und schwelge in Erinnerungen 🙂 Ich habe mich total in die Stadt verliebt und freue mich riesig nächste Woche zurückzukehren. Und ich werde den Besuch nutzen um mir ebenfalls ein Tattoo stechen zu lassen :)))
    Viele Grüße
    Vanessa

  4. Liebe Vanessa,

    freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt!

    Wünsche dir viel Spass bei der TLV Reise und ein tolles Tattoo:))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.