TEL AVIV NOTES  Insider Reiseblog für Tel Aviv
Naomi's Insights

Shana Tova! Ein besonders süßes Jahr euch

everyone and his board

Kurz habe ich gezögert, als ich aus dem Fenster blicke und Nieselregen sich über meiner Terrasse ausbreitet. Dann dachte ich, was ist schon Regen in Tel Aviv? Schlüpfe in meinen Speedo Badeanzug, Schwimmbrille im Rucksack und ab auf meinem E-Scooter zum Pool. Ich erfülle mir gerade einen Traum und lerne Total Immersion. Eine Schwimm-Methode, die dich wie ein Fisch durchs Wasser gleiten lässt. Ich hatte schon immer eine besondere Affinität zum nassen Element. Als Kind mussten mich meine Eltern nach Stunden im Pool an den Haaren heraus ziehen. Ich würde immer Urlaub am Meer wählen und nicht die Berge. Wahrscheinlich hat das meine Entscheidung nach Tel Aviv zu ziehen beschleunigt, liegt die coolste Stadt der Welt just am Mittelmeer. Die Wellen vor der Haustüre. 

Als ich an diesem Morgen in den eiskalten Pool springe, vergesse ich nach sieben Minuten, wieso ich zögern konnte. Ich bin die einzige, die Bahnen zieht. Ein Privatpool sozusagen. Ich konzentriere mich abwechselnd auf den Atem und die Kopfhaltung, lasse mich gleiten. Der französische Bademeister gibt mir einen Tipp vom Beckenrand und nach 30 Minuten Glück lasse ich mich auf den Liegestuhl fallen. Das Gesicht gen Sonne, die Augen geschlossen. Da spüre ich, wie sich ein Schatten zwischen mich und die Sonne schiebt. Ich schaue und sehe eine korpulente Frau in meinem Alter, die mir zuruft: „Schätzchen, sieht man meinen BH unter dem Kleid?“ Ich richte mich auf: „Ja, sieht man“, antworte ich. Dann schieb mir die Träger unters Kleid, sagt die Frau mit energischer Stimme. Wer traut sich da nein zu sagen? Ich zupfe ihr Kleid über den BH und sie meint nur: „Kapara (so was wie Schätzchen) das hast du toll gemacht.

Ich denke mir, nur in Israel, passieren solche Begebenheiten. Und ich liebe es. 

Neulich im Supermarkt. Ich stehe an der Kasse und lade meinen Einkauf aufs Laufband. (Nennt man diesen Streifen wirklich Laufband, wie eine Treadmill?) Die Kassiererin fragt: „Wieso kaufst du Mandelmilch, trinkst du keine Kuhmilch?“ Ich schüttle nur den Kopf, da ich keine Lust auf Gespräche habe. Und was machst du mit der Kokosmilch, insistiert sie. Kochst du damit? Esst ihr kein Fleisch? Ich sehe, du kaufst nur Gemüse. Und dann packt sie aus, von hohen Blutdruck und dass sie gerade ihre Ernährung umstellt, ihr Arzt hat ihr dazu geraten. Fleisch ist vom Speiseplan gerutscht. Wie kochst du den Brokkoli, fragt sie. Und da wir in Tel Aviv sind, mischt sich natürlich gleich die Frau hinter mir ins Gespräch ein. Ich dünste Brokkoli an und esse ihn mit Lachs, kommentiert sie.  Als ich dann noch einen Stoffbeutel auspacke, statt Plastiktüten zu kaufen, freut sich die Kassiererin und meint, ich bin heute ihre Lieblingskundin. 

Ich wünsche euch allen ein erfülltes neues Jahr. Shana Tova meinen treuen Lesern – und das, obwohl ich so lange von der Bildfläche verschwunden bin. 

Das wird dieses Jahr anders!

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