TEL AVIV NOTES  Insider Reiseblog für Tel Aviv
Naomi's Insights

Die 6 besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe

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#Nach Tel Aviv ziehen

Ganz klar, dieser Entschluss vor zwanzig Jahren war lebensverändernd. Im Inneren wusste ich, dass ich eines Tages hier leben werde. Bloss nicht wann. Alle Sommerferien verbrachte ich mit meinen Eltern und Freunden in Israel. Manchmal in Eilat, meistens in Tel Aviv. Damals war die Stadt noch unberührt. Ohne Wohntürme, Strassencafés und Foodtempel. Dafür gab es heisse Maiskolben, süsse Limonade und Jesuslatschen. Das legendäre Pinguin, ein verrauchter Punkclub war der einzige Laden mit guter Musik.

Lagerfeuer und Tustusfahrten

Wir machten Lagerfeuer am Strand und zogen nachts von einer Dachparty zur nächsten. Es war eine Zeit ohne Handy und Sonnenschutz, mit Sand zwischen den Zehen und Tustus (Vespa)-fahrten. Wenn ich in Frankfurt nach drei Wochen Tel Aviv braungebrannt aus dem Flieger stieg, sagten mir meine Freunde, ich sei total verändert. Im positiven Sinne. Jedes Mal. Es sind viele Jahre vergangen, bis ich den Schritt gewagt habe. Abi, Studium, Paris, wieder Ffm. Doch dann packte ich spontan meine Platten und Bücher und zog um.

#Kinder bekommen

Die wichtigste Entscheidung. Drei Mal pures Glück. Nichts hat mein Leben so verändert wie Ben, Lou und Ron. Jede Mutter, jeder Vater unter euch kann das nach vollziehen. Heute sind die Zwerge gross. Ben hat Schuhgrösse 44 und ist mir über den Kopf gewachsen. Lou ist zwar ein Teenager wird aber immer mein kleines Mädchen sein. Ron bereitet sich auf seine Barmitzva vor. Dafür singt er seinen Wochenabschnitt in der Badewanne. Im Mai wird es dann ernst, wenn er den Tora-Abschnitt in der Synagoge singt.

Für mich gibt es nichts erfüllenderes als mit meinen Kindern Zeit zu verbringen. Ich lerne so viel dabei: über mich, das Leben und den Sinn des Lebens.

#Pflanzenbasiert essen

Ich gebe zu, dass ich ab und zu vom Weg abkomme. Ich bin 95 Prozent Veganerin. Der Ausdruck plant based trifft es eher. Fleisch habe ich schon lange vom Teller gestossen. Nicht, weil ich an Tierschutz dachte, sondern mich Fleisch anekelte. Ich habe es nicht runter bekommen. Auch Fisch nicht. Vegetarierin war ich, bis ich schwanger mit Ben wurde und Heisshunger auf Schnitzel bekam. Die habe ich wie eine Süchtige fast täglich verdrückt. Nach der Geburt verpufften die Gelüste.

Entspanntes Clean-Eating

Bis zum Naturopathy-Studium hatte ich keine Berührung mit veganen Essen. Meine Ernährungs-Dozentin setzte uns Studenten für zwei Wochen als Gruppenexperiment auf vegane Ernährung. Und siehe da, ich war wie high. Mit einem Freund verlängerte ich den Versuch, der schnell zur Lebensart wurde. Ich verschlang Bücher und Youtube Videos zum Thema. Nach dem Live-Vortrag von Aktivist Gary Yourovsky war es vorbei mit Milch, Eiern und Käse. Heute sehe ich das entspannter und differenzierter. Vegan ist oft tierloser Junk; Ersatzprodukte esse ich selten bis nie. Ich halte mich an pflanzenbasiertes glutenfreies Clean Eating: Gemüse, Obst, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte, Quinoa, Buchweizen, Kokosöl. Ich bin kein Dogmatiker, der nach dem Ei im Kuchen fragt, wenn ich eingeladen bin. Aussetzer habe ich in Paris im Käseladen. Das ist ok für mich, ohne schlechtes Gewissen.

#Hunde adoptieren

ridgeback welpe

pic: einfachtierisch.de

Schon als Kind hatte ich ein Faible für Hunde. Bloss dachten meine Eltern anders. Als Ersatz schleppte ich Meerschweinchen, Wellensittiche, Goldfische und eine weisse Maus an, die ich mit blauen Punkten bemalte. Letztere stiess auf wenig familiäres Mitgefühl und flog in grossen Bogen aus der Wohnung. Als Pariser Studentin verliebte ich mich in einen schwarzen Welpen vor der Metrostation Les Halles und nahm ihn mit nach Hause.

Der Winzling wuchs schnell zu einem Riesen heran und Samba liess niemanden an mich ran. Einem Freund nagte er an der Wade, dem Zugschaffner fletschte er die Zähne. Wenn ich meine Tante in Paris besuchte, zog sie Stiefel an, um sich vor Samba zu schützen. Erst ihr Käsekuchen beschwichtigte ihn. Nach zwei Jahren trennten sich unsere Wege und Samba fand ein besseres Zuhause als ich es ihm geben konnte.

Symbiotische Liebe zum Ridgeback

Meinen nächsten Hund adoptierte ich in Tel Aviv bei der Organisation SOS-Tiere. Drei Monate jung, Ridgeback-Mischung. Wunderschön, ein blaues und ein braunes Auge. David Bowie Style. Garpi (nach John Irvings Roman Garp) entwickelte sich zu einer grazilen wunderschönen Hündin und folgte mir als Schatten durch den Tag. Sieben Jahre voller Glück. Bis sie mir auf dem OP-Tisch an einer Überdosis Betäubungsmittel starb. Ärztepfusch. Von einer Routine Kreuzband-OP musste ich Garpi leblos abholen. Ich sage euch, meine Augen waren einen Monat geschwollen vom heulen. Noch heute kriege ich Herzschmerz darüber zu schreiben.

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Nach drei Monaten adoptierten wir Joya, unsere lebenslustige Labrador-Dogge (oder ähnliches). Joya ist pure Freude, wie ihr Name. Ständig wedelnd, nie aggressiv, ein Schmusehund in XX-Large. Sie ist der Engel unseres Hauses, sensibel, wachsam und verfressen. Nachts schläfst sie auf meinen Füssen und schlägt aus wie eine Kuh, wenn sie träumt. Ein Leben ohne Hund? Für mich unvorstellbar.

#Integrative Medizin studieren

pic: moveforwardnaturalhealth.com

Jahre nach meinem Studium der politischen Wissenschaften in Paris überkam es mich erneut die Unibank zu drücken. Meinem Wissensdrang in Sachen Ernährung und alternative Medizin nur mit lesen zu begegnen, genügte mir nicht mehr. Ich wollte mehr. Kurz vor den Sommerferien der Kids besuchte ich eine Infotag am Reidman College für integrative Medizin und schrieb mich spontan ein.

Diabeteskurs als Lebensretter

Das Studium war intensiv, ich belegte Abendkurse und kam selten vor 22:00 Uhr nach Hause. Und dann die Prüfungen in hebräisch. Doch meine Leidenschaft für die Materie liess mich alle Hürden nehmen. Zwei Jahre saugte ich Wissen auf. Anatomie, Physiologie, innere Medizin, Reflexologie, Chemie, Ernährung, Heilkräuter, Grundlagen der chinesischen Medizin und mehr. Ich hab es schon oft geschrieben (wie hier), aber dank des Studiums diagnostizierte ich meiner Tochter Diabetes Typ 1 frühzeitig ohne Folgeschäden. Retrospektiv glaube ich fest, dass dies der wahre Grund für mein Studium war. Ohne den Diabeteskurs, hätte ich die Symptome nicht wahr genommen. Was übrigens trotz Diabetes Typ 1 möglich ist, zeigt die Ultra Marathon-Läuferin Robin Arzon.

#Mein Blog

Schreiben ist mein Ding. Schon immer. Seit ich nicht mehr fest an eine Tageszeitung gebunden als Journalistin arbeite, suchte sich der Schreibdrang ein neues Ventil. Die Idee kam über Nacht. Endlich über das schreiben, was mir am Herzen liegt. Wie in Trance habe ich mir autodidaktisch die nötigsten Skills beigebracht, um einen Blog online zu stellen. Unsere wachsende community erfüllt mich jeden Tag. Danke euch, ihr seid die Besten. Ich sage dir, wenn etwas in der Seele brennt, hab den Mut, treffe eine Entscheidung und ziehe sie durch.

featured image: Scampi, streetartist aus Neuseeland

Jetzt aber raus damit: was sind eure besten Entscheidungen? Schreibt das UNBEDINGT in die Kommentare!!

 

 

 

 

9 Kommentare

  1. Zu konvertieren. Jahrelang war es ein Wunsch und seit ich im Januar Gijur bekomme habe, blüheich auf. Mir gehts gut. Es ging mir nie besser.

  2. das freut mich, danke, dass du deine Gedanken hier geteilt hast

  3. Ergänzend dazu denke ich, dass es oft die Fehlentscheidungen und Misserfolge sind, über die man am längsten nachdenkt und die einen (indirekt) am meisten prägen. Ein Blog über die Fehlentscheidungen aus denen man am meisten lernt wäre bestimmt interessant. Besonders weil Scheitern in IL viel verkraftbarer ist als in DE.

    Ganz unabhängig davon würde mich *brennend* interessieren: Gibt es Dinge aus Frankfurt, die du in TLV vermisst? Grüße aus FRA

    PS: Geniales Block 🙂 Hat für mich schon längst den ARD Blog ersetzt, seitdem der so nachgelassen hat

    • *blog … ouch

    • danke für deinen Kommentar! Über Fehlentscheidungen schreiben wäre auf jeden Fall auch ein Thema. Dinge, die ich vermisse? Einige sehr gute Freunde. Richtige Buchläden so wie die Autorenbuchhandlung. Kastanien im Herbst. Gummibärchen. Alnatura, DM und Rossmann.
      Freut mich, dass ich du bei mir einen Ersatz für den ARD Blog gefunden hast. DANKE

  4. Yeap … Kinder ! War zwar früh, aber die Entscheidung es durchzuziehen war 100 prozentig richtig ! Und jung Opa sein ist jetzt mindestens genauso geil. Ok ok … ist ja keine eigene Entscheidung aber zumindest eine Folge meiner Entscheidung ????.
    Das Wort Opa fällt manchmal ein bischen schwer (macht einen irgendwie älter als man sein will ????) aber komischerweise kommt es immer doch mit Stolz.

    • Junger Opa ist doch toll! Klar bist du stolz. Ich habe eine Freundin, die ist auch gerade Oma geworden, da sie ganz jung Kinder bekommen hat. Danke, dass du deine Gedanken hier teilst. LG aus TLV

  5. Liebe Naomi

    eine wundervolle Liste von dir…ich spüre gerade nach… der Umzug steht irgendwie gerade bevor…es ist noch nicht ganz fix… :-)) fühlt sich aber wie bei dir beschrieben an…

    3 Kinder zu bekommen war & ist die beste Entscheidung, mit 26 mein Jurastudium an den Nagel hängen und Psychotherapie studieren, meinem Herzen folgen & meinen Blog schreiben & mich damit zeigen…. Yoga….

    danke für den Impuls

    alles Liebe Karin

    • danke für deinen tollen Kommentar. Deinem Herzen folgen, das ist der Schlüssel zu einem erfüllten Leben:)

      liebe Grüsse aus TLV
      Naomi

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