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Rosh Hashana ohne Fischkopf, mit Birnenhonig und Schweizer Äpfeln

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Schon wieder Feiertag. Gerade habe ich mich daran gewöhnt, dass der Alltag in mein Leben zurückkehrt, da haben die Kids erneut vier Tage schulfrei und Tel Aviv kleidet sich in weiss. Es ist Rosh HaShana aka jüdisches Neujahr. Ich stehe ja nicht auf Feiertage, aber die besinnliche Stimmung, die sich gerade über die Stadt legt, mag ich.

Sünden im Wasser versenken

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Die letzte Stunde im alten Jahr habe ich mit meiner Seelenfreundin Gloria am Strand verbracht, barfuss im seichten Meerwasser. In der Bucht des Mezizim-Strandes, der meinem Zuhause geographisch am nächsten liegt. Bis jetzt musste ich Gloria immer auf dem Gepäckträger meines E-Bikes durch die Stadt kutschieren. Zum Jahreswechsel ist sie mutig geworden und fährt mein altes E-Bike, das Esther (nach Esther the Wonderpig) heisst. Zögerlich, teils wackelig, aber zielstrebig zum Strand. Es gibt keinen besseren Ort, das Jahr ausklingen zu lassen.

Religiöse Juden haben diesen Brauch, Tachschlich. Am ersten Neujahrstag begeben sie sich kurz vor Sonnenuntergang an ein Gewässer, schütteln ihre Kleider aus und werfen alle Krümel, die sich in ihren Taschen befinden, ins Wasser. Damit versenken sie symbolisch ihre Sünden. Vielleicht habe ich diesen Brauch unterbewusst übernommen. Denn seit ich in Tel Aviv lebe, zieht mich das Meer an Rosh HaShana magisch an. Ok, auch sonst, liebe ich den Luxus von Sand und Wellen vor meiner Haustüre.

Momentaufnahme Tel Aviv 2017

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Gestern kurz vor Sonnenuntergang bot sich mir eine Momentaufnahme von Tel Aviv 2017. Ein paar gebräunte Kinder in den Wellen, ein muslimische Mutter watet im vollen Gewand ihren Jungs im Wasser hinterher. Ein sportlich-drahtiger Grossvater (Ben Gurion Style, Gründergeneration) spielt mit seinem strohblonden Baby-Enkel. Ein junger Israeli übt sich im Yogi Handstand, eine Gruppe russischer Männer treffen sich auf ein Bier. Auf dem Rückweg über die Nordau fährt mich ein französischer Einwanderer charmant fast mit seinem Bike um. Am Espresso-Kiosk nippen noch zwei Frauen an ihrem Kaffee Hafuch. Die Strassen leeren sich. Autos sehe ich nur noch vereinzelt. Aus offenen Fenster weht der Geruch von Hühnersuppe.

Babylon in meinem Garten

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Wir müssen Gas geben, weil noch nichts gekocht ist und in zwei Stunden 12 hungrige Gäste auf der Matte stehen. Wir feiern als Patchwork Familie. Meine Kinder, Glorias Tochter Lee und ihr Sohn Joel, der ein entzückendes Freundespaar im Schlepptau hat. Einen hübschen Sikh-Inder mit Turban und ellenlangen Wimpern und seine junge französische Frau. Ausserdem noch ein paar andere Freunde. Es ist multikulturell, so wie ich es liebe. Wir sprechen alle Sprachen, Babylon in meinem Garten. Nur meine Mama fehlt, sie feiert mit ihren Geschwistern in Paris.

Essenskrümel und indisches Kastensystem

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Nachdem wir ein Gebet improvisieren und Schweizer Apfelstücke (die Glorias Sohn aus den Alpen mitgebracht hat) in Bienen- und Birnenhonig tunken, wünschen wir uns ein süsses, gesundes, erfülltes Jahr. Jüdische Feiertage gehen über den Magen. Der Honig symbolisiert ein süsses neues Jahr. Joya liegt unter dem langen Tisch und wartet, dass Essensreste runterfallen. Nachdem auch das letzte Stück Kuchen verputzt wurde, fläzen wir uns auf die Couchen im Wohnzimmer. Gloria schläft ein, während ich mich mit ihrem Sohn und seinem indischen Freund angeregt unterhalte. Dieser lebt mit seiner Frau für ein Jahr in Jerusalem und schreibt seine Doktorarbeit über die Relevanz und Bedeutung des Kastensystems im heutigen Indien. Das nenne ich mal eine interessante Unterhaltung an Rosh HaShana. Happy 5778!

 

 

 

 

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