TEL AVIV NOTES  Insider Reiseblog für Tel Aviv
Naomi's Insights

TRIP IN MEINE HOMETOWN FRANKFURT

hometown frankfurt

Fliegen war noch nie mein Ding. Die Abfertigung, die Menschenmengen am Flughafen, Sicherheitscheck, schlechtes Essen. Und dann mit drei Teenagern, die auf den Dutyfree warten, wie ich auf einen grünen Saft. Es sind Pessachferien. Über zwei Wochen. Die Reise geht nach Frankfurt und Paris.

Draussen gibt es nur Kännchen

In Frankfurt wohnen wir bei meiner Mama in Uninähe, wo das Westend nach Bockenheim ausfranst. Frankfurt ist für mich mit vielen Erinnerungen verbunden, nostalgisch bin ich nicht. Die Stadt ist klein und übersichtlich. Auf der Fressgasse sind heute Caféketten wie Starbucks anstatt dem guten alten Schwillecafé. Da hiess es immer: draussen gibts nur Kännchen. Die Mexicoboutique, wo wir Pfirsisch-Lippenbalsam in der Jeans verschwinden liessen ist einer Petit Bateau Filiale gewichen. Das Stadtbild ist geprägt von Männern in dunklen Anzügen, Frauen mit Stöckelschuhen, die holprig übers Kopfsteinpflaster balancieren. So gar nicht Tel Aviv mit dem casual look, den Schlappen, Shorts und Turnschuhen.

Neun Kilometer Suche nach einem Anzug

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Unsere Mission lautet: für meinen Sohn Ron einen Anzug für seine Barmitzva finden. Gar nicht einfach, wenn man knapp 13 Jahre alt ist und zwischen den Kleidergrössen hängt. Männerabteilung zu gross, Kinder zu klein. Hinzu kommt, dass Ron seine eigenen Vorstellungen hat und am liebsten einen Armani-Anzug hätte. Keine Ahnung, woher er solche Marken kennt. Von mir nicht. Am Abend nach dem ersten Einkaufszug durch die Innenstadt zählt meine Move-App neun Kilometer. Nicht im Park, sondern die Fressgasse und Zeil rauf und runter. Wie anstrengend. Ich hasse shoppen.

Zeitrolle beim Thailänder

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Die Entlohnung kommt am Abend. Meine Schwester-Seelenfreundin Louise hat für mich einen bewegenden Abend organisiert. Ein Dutzend alte Freunde um einen langen Tisch im Thairestaurant. Einige habe ich Jahre nicht gesehen. Gefühlt war es, als hätten wir uns gestern gesehen. Vertraut, witzig, viel gelacht. Da kommen schon schräge Erinnerungen hoch: an meine Punkzeit, an durchtanzte Nächte (viele), an gemeinsame Reisen. Der Abend war so schön und hat mich extrem glücklich gemacht.

Café Laumer, Bücher und Spargelrisotto

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Die Restzeit habe ich ein paar Freunde alleine getroffen, Rons Anzug gesucht, Essgelüste der Kinder befriedigt, mit meiner Ma nachts in der Küche gelacht. In ihrem italienischen Stammresto den besten Spargelrisotto gegessen. Meinen ehemaligen Lektor im legendären Café Laumer getroffen. Hier sieht alles original aus wie vor 20 Jahren, sogar die Bedienung ist die selbe. Die FAZ inhaliert und Bücher gekauft, die nun tonnenschwer in meinem Gepäck liegen. Mit Tochter Lou Alnatura und DM leergefegt, veganes Curry verputzt. Die Jungs fahren alleine U-Bahn und schreiben mir: hier steht ZOO, was ist das? Sind in die falsche Richtung gefahren. So wird man selbstständig.

Matratzenkommune in Paris

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Die Tage in Frankfurt gingen schnell vorbei. Jetzt sind wir in Paris. Eine weitere homebase für mich. Hier habe ich vor Urzeiten studiert und drei Jahre lang gelebt. Ich gestehe: Rom und Berlin liegen mir mehr. Meine Mama hat hier eine kleine Wohnung in der Nähe des Eiffelturms, der abends in unsere Küche leuchtet. Die Wohnung ist klein, wir schlafen auf Matratzen im Wohnzimmer. Familien-Kommune.

Das Viertel rund um den Eiffel ist überladen mit Touristen aus der ganzen Welt. Menschenmassen drängeln sich am Schalter für eine Fahrkarte auf die Aussichtsplatte. Daneben liegt das wunderschöne Musée du quai Branly. Gerne wäre ich in die Ausstellung Picasso primitif gegangen, aber die endlose Schlange vor dem Eingang schreckt mich ab.

Hijab, Beeren und das Wild & The Moon

Die Champs Elysées hätte ich mir lieber erspart, aber was macht man nicht alles für seine Kinder. Die Allee mit den Konsumtempeln ist überfüllt mit japanischen Touristen und Familien aus den Golfstaaten. Frauen mit Hijab und Chaneltasche am Handgelenk.

Zwei Tage war ich auf der Suche nach einem Sojakaffee. Die Kellner gucken mich dumm an, Soja? Non, haben wir nicht. Esstechnisch ist Paris als Pflanzenesser echt eine Herausforderung. Ich decke mich ein mit Beeren in allen Farben. Eine Fahrt in mein Lieblingsviertel Marais bringt die Erlösung. Auf der Rue Charlot liegt das Wild & The Moon. Ein veganes Paradies mit coldpressed juices, raw Granola, Cappucino mit selbstgemachter Mandelmilch.

Heute Abend ist der Pessach Seder, das grosse Familienessen in Erinnerung an den jüdischen Auszug aus der ägyptischen Gefangenschaft. Für mich eher der Auszug aus der Konsumwelt in das Wohnzimmer meines Onkels. Dort feiern wir Pessach. Es ist selten, dass wir alle an einem Ort sind. Unsere Familie ist über die Kontinente verstreut. Mein Lieblingscousin kommt aus New York und meine in Paris lebende Autorenfreundin Gloria wird mit ihrer Tochter dabei sein. Für mich gibt es nichts schöneres als mit meiner Familie und Freunden an einem langen Tisch zu sitzen. Und dann noch, um die Freiheit zu feiern. Perfekt.

 

 

 

3 Kommentare

  1. Ann Klar

    süsse, auch für mich war es ein tolles wiedersehen . . . eben als wenn die zeit stehen bleibt. in diesem fall sehr positiv mit einem lächeln einer fetten umarmung und alles ist da wo es mal aufgehört hat. vertrautheit, freundschaft und das ähnliche oder sogar gleiche lieben und neugierig sein und beliben . . . alles eben wie immer.
    love

  2. Ann Klar

    süsse, auch für mich war es ein tolles wiedersehen . . . eben als wenn die zeit stehen bleibt. in diesem fall sehr positiv mit einem lächeln einer fetten umarmung und alles ist da wo es mal aufgehört hat. vertrautheit, freundschaft und das ähnliche oder sogar gleiche lieben und neugierig sein und beleiben . . . alles eben wie immer.
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  3. klärchen, jetzt warten wir nie mehr so lange!! BIG LOVE

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