TEL AVIV NOTES  Insider Reiseblog für Tel Aviv
Naomi's Insights

Was bedeutet eigentlich Barmitzva?

bar mitzva

Kennt ihr das, wenn man wochenlang auf ein Ereignis hin fiebert und dann – puff – ist alles rum. So war das mit Rons Barmitzva. Drei Monate lang hat sein Lehrer ihn auf diese Zeremonie und das Vorbeten des Wochenabschnittes vorbereitet. Es ist der Übergang vom Kind zum religiösen Mündigen, der nun im Alter von dreizehn Jahren für die Einhaltung der jüdischen Gebote verantwortlich ist.

Aufnahme in die religiöse Gemeinde

Es ist quasi die Volljährigkeit im Judentum. Dazu gehört das Anlegen von Teffilin und das Vorlesen aus der Tora in der Synagoge. Mit dem Tora Aufruf wird der Barmitzva Junge feierlich in die Gemeinde aufgenommen. Das Ritual hat etwas sehr bewegendes. Ich nehme es vorweg: Ich bin nicht religiös, wir leben säkular. Essen nicht kosher, hören am Shabbat Musik und beten nicht.

Gleich bei uns um die Ecke liegt die Synagoge des ehemaligen Oberrabbiners Meir Lau. Hier betet er am Shabbat. Mir gefällt die Synagoge, weil sie schlicht und nicht pompös ist. Was mir gar nicht gefällt ist, dass ich als Frau in der oberen Etage hinter einem Häkelvorhang sitzen muss. So ist das in orthodoxen Gebetshäusern: Männer beten unten, Frauen oben. So war das auch in meiner Kindheit in der Frankfurter Synagoge, die ich zweimal im Jahr besuchte: an Yom Kippur und Rosh HaShana.

Säkulare Verbindung mit den Traditionen

Seit ich in Israel lebe, fallen selbst diese zwei Besuche weg. Trotz meinem weltlichen Lebensstil fühle ich mich der jüdischen Tradition stark verbunden. Den Liedern, Gesängen und Psalmen. Als die klare Stimme meines Sohnes in der Synagoge widerhallt und die Betenden im Gesang antworten, verstehe ich, dass es genau diese Riten sind, die das jüdische Volk seit Jahrtausenden zusammenhält.

barmitzva

Ich sehe wie Ron der zu grosse Tallit von der Schulter rutscht und mein Freund ihm liebevoll das Gebetstuch richtet, bevor er die Tora aus dem Gebetsschrank holt. Bereit um in die Gemeinschaft der Erwachsenen einzutreten. Den Häkelvorhang habe ich längst weggeschoben. Ich schaue auf die Köpfe der Betenden und staune mit welcher Ehrfurcht sie sich vor Gott verbeugen. Ich sehe meinen älteren Sohn Ben dicht neben Ron. Dahinter sein Lehrer, Onkel, Cousins, männliche Freunde. Oben auf der Empore sitze ich neben meiner Mutter, Familie und vielen Freundinnen. Das sind prägende Momente, die ich ein Leben lang in mir tragen werde. An diesem Samstag ist mein Herz ein Stück gewachsen.

 

5 Kommentare

  1. Ankatrin Grundke

    Beim Lesen und der Erinnerung schossen mir die Tränen in die Augen. Du hast recht, es ist sehr berührend, einer Barmitzva zuzuschauen und zuzuhören. Ich bin dem Jüdischen sehr nahe, bin aber keine Jüdin. Habe aber vor Jahren herausgefunden, das in der Familie meiner Mutter wohl mal eine Jüdin vorgekommen ist. Vielleicht verschafft sie sich ja durch mich wieder einen Weg in diese Welt. Sag Deinem Sohn meine Glückwünsche!

  2. Meine Tochter ist 2006 zum Judentum konvertiert. Mittlerweile hat sie einen Juden in NY geheiratet unter einer Chuppah, die ich für Sie genäht und gemalt habe. 2011 hat sie Alliyah gemacht und 3 Jahre war Rannanah, Israel ihre Heimat. In dieser Zeit war ich 9x dort. Es war eine tolle Zeit dort. Jetzt lebt sie wieder in der Nähe von NY und hat mir 2 Enkelkinder(8 und6 Jahre) geschenkt.
    Danke für deinen Blogbeitrag – da war ich ihr wieder sehr nah.

  3. Herzlichen Glückwunsch für Deinen Sohn !

    • Liebe Karin,
      danke für diese Anekdote. Es ist interessant wie das Schicksal so spielt und wo einen die Wege hinführen! Viel Spass mit deinen Enkelkindern:)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.